Race Around Austria - SOLO Manuel Moravec | 09.08.2016

Race Around Austria - SOLO Manuel Moravec

Das Race Around Austria und sein Inventar die Atterbiker. Eigentlich eine ganz klare Sache, die mit der Routine der letzten Jahre schon zur Standartaufgabe im August geworden ist. Eigentlich…

2016 sollte aber ein bisschen anders werden für mich. Nach einem DNF beim Glocknerman 2016 und einer durchwachsenen Generalprobe beim 24h Rennen in Grieskirchen fand man mich auch in der Startliste der Extremdistanz über 2200 km und 30000 hm beim RAA wieder. Eigentlich eh nichts Neues, aber heuer war ich in keinem 4er und auch in keinem 2er Team, sondern tatsächlich Solo am Start.

Dienstag, 09.08.2016 – 18:04 Uhr: Endlich durfte ich unter dem Applaus vieler Zuseher und  bei ganz bescheidener Wetteraussicht für die nächsten Tage in mein großes Abenteuer starten. Wie erwartet war die Anfangsphase etwas hektisch und durch viele Überholmanöver geprägt, aber ich fand trotzdem relativ schnell nach Einbruch der Dunkelheit einen super Rhythmus. Leider wurde dieser schon bei den ersten Anstiegen im Mühlviertel unterbrochen. Nach einem Schaltmanöver löste sich leider eine Niete meines vorderen Umwerfers und so musste ich schon relativ schnell aufs Ersatzrad umsteigen. Auch das Ersatzrad hätte ein paar Kurven später in einer komplett nassen Abfahrt fast dran glauben müssen. Leider oder Gott sei Dank hab ich beim Wegrutschen mein Bein als Dämpfer fürs Rad benützt. Im ersten Moment schien es nur eine Schrecksekunde ohne Auswirkungen gewesen zu sein. Leider machten sich schon im Morgengrauen Knieschmerzen bemerkbar. Nach einem kurzen Check mussten wir feststellen, dass mein Knie beim Sturz eine beachtliche Prellung und einen Bluterguss erlitten hatte. Nicht unbedingt die besten Vorzeichen für die nächsten 1900 km. Somit folgte ein bunter Mix aus Radfahren, Pausieren, Behandeln, Tüfteln und Zähne zusammen beißen. Nebenbei gab es aber auch eine gute Nachricht zum Verzeichnen: Mein Rad war wieder Einsatzbereit und der Umwerfer wieder angenietet. Noch vor Einbruch der Dunkelheit und somit früher als geplant, musste ich aber dann endgültig für eine längere Behandlungspause vom Rad.

Schlafpause 1 – 1h 15min: Lassee – km 580 – Mittwoch, 19:15 Uhr

Voller Hoffnung, aber mit nur geringer Verbesserung ging’s wieder ab aufs Rad. An der Tages- oder besser gesagt Nachtordnung standen wieder Radfahren, Pausieren, Behandeln, Tüfteln und Zähne zusammen beißen. Zumindest war nach den ewigen Zeitfahrpassagen durch das Waldviertel und das Burgenland mit dem Geschriebenstein endlich einmal ein Hügerl zu erklimmen.

Schlafpause 2 – 20min: Deutsch Schützen – km 775 – Donnerstag, 07:00 Uhr

Endlich hatte ich trotz immenser Knieschmerzen einen für mich passenden Tritt gefunden. Vielleicht nicht der schnellste, aber für mich schien er im Moment mehr als brauchbar zu sein. Lange dauerte es allerdings nicht, bis wir mitbekamen, dass uns das Zeitlimit in Halbenrain zum Verhängnis werden könnte. Nach einem Zwischensprint über knappe 15km erreichten wir punktgenau nach 41h Fahrzeit Halbenrain. Jetzt ging´s somit nicht nur gegen die Schmerzen sondern auch gegen das Zeitlimit. Alle bis dato hinter mir gelegenen Fahrer wurden nun aus dem Rennen genommen und somit hatte ich gefühlsmäßig auch noch den Besenwagen im Nacken. Für den Kopf selbstverständlich eine grandiose Aufgabe, die ein paar Stunden lang mehr als aussichtslos wirkte. Zu diesem Zeitpunkt war übrigens Christoph Strasser, der 14h später in St.Georgen gestartet war, schon längst an uns vorbeigeflogen. Irgendwie hatten wir dann aber das Knie so halbwegs im Griff und sowohl die Südsteirische Weinstraße, als auch die Soboth ließen uns hoffen, ehe die Abtei ein für den Moment unüberwindbares Hindernis darstellte. Kurz vor dem Ende meiner Kräfte und kurz vor der Aufgabe humpelte ich mit Tränen in den Augen ins Pace-Car.

Schlafpause 3 – 20min: Ferlach – km 1025 – Donnerstag, 23:00 Uhr

Mit Knieschmerzen, einer schlechten Position im Sattel und einem anhaltenden mentalem Tief ging’s nach einer kurzen Schlafpause zurück aufs Rad. Immer wieder überholten mich jetzt die 4er Teams, die mich durch die kurzen Wortwechsel irgendwie wieder in Stimmung brachten und nach dem Erreichen des Half-Way-Points schien alles wieder halbwegs auf Schiene zu kommen. Mit dem Beginn des Lesachtales konnte ich nun auch endlich den Zeitfahrer verstauen und mich aufs Bergrad schwingen.

Schlafpause 4 – 20min: St.Lorenzen – km 1160 – Freitag, 07:15 Uhr

Nun sollte schön langsam mein Rennen so richtig starten. Das erste Mal ließ sich auch die Sonne blicken. Leider war aber auch das nur ein kurzes Gastspiel und kurz nach der Abfahrt vom Kartitscher Sattel wurde es schon wieder nass. In Lienz mussten wir dann witterungsbedingt nicht wie geplant weiter über den Iselsberg zum Großglockner, sondern über Matrei und den Felbertauern nach Mittersill. Bei Gegenwind, Regen und unendlich viel Verkehr eine echt ansehnliche Ausweichroute zum Radfahren. Auf der Salzburger Seite kam dann Klausi statt David neu ins Team und sorgte für frischen Wind. Wie wenns gerade losging, zündete ich jetzt den Turbo und so ließen wir in Windeseile die Gerloß und das Zillertal hinter uns. Dann kamen auch noch Andi, Arnold und Annabell zum Team dazu, ehe mich in Innsbruck viele bekannte Gesichter aus meiner zweiten Heimat mit einer Fanzone überraschten. Motiviert konnte ich auch noch ohne Pause das Kühtai bezwingen. Nach einer extrem frischen Abfahrt knapp über dem Gefrierpunkt in der ich brutal nach der nächsten Schlafpause schrie, war dann ein kurzer Stopp in Oetz unumgänglich.

Schlafpause 5 – 40min: Oetz – km 1470 – Samstag, 02:45 Uhr

Nach kurzem morgendlichem Nasenbluten ging‘s mit Reinhard Fendrich und „Es lebe der Sport“ im Ohr dem Sonnenaufgang und Landeck entgegen. Am Weg auf die Bieler Höhe konnte ich das erste Mal das Rennen, die Landschaft und das schöne Wetter genießen. Nach einer rasanten Abfahrt ins Montafon erwarteten mich in Bludenz die nächsten Anfeuerungen. Mit einem Lächeln im Gesicht ging es dann bei heißen 30°C rauf aufs Faschinajoch.

Schlafpause 6 – 10min: Schoppernau – km 1640 – Samstag, 14:15 Uhr

Wie gewohnt brauchte ich nach der Schlafpause wieder ein paar Minuten um meine Begeisterung am Radeln zu finden. Mit ein paar Motivationssprüchen aus der Heimat und Sushi am Rad war dann aber auch bald der nächste und letzte Gipfel im Ländle hinter uns. Endlich konnte ich am Weg runter nach Reutte einmal die Füße etwas hochlagern. Leider machte sich nun schön langsam mein Hintern so richtig bemerkbar. Eigentlich völlig unverständlich nach knapp 4 ½ Tagen im Sattel. Neuer Sattel, 2. Radhose und eine neue Sitzposition und schon ging’s im Abendrot den Fernpass rauf und dann wieder ins Inntal runter, ehe es wieder höchste Zeit für eine Schlafpause wurde.

Schlafpause 7 – 30min: Stams – km 1785 – Samstag, 23:15 Uhr

Nach Schlafpause Nummer 7 wurde es richtig turbulent und zeitgleich irgendwie schon fast angsteinflößend. Leider war ich nicht mehr ganz Herr der Lage und kann mich auf dem folgenden Abschnitt bis zur nächsten Schlafpause auch nur an Bruchteile erinnern.

Schlafpause 8 – 50min: Innsbruck – km 1815 -  Sonntag, 02:15 Uhr

Es wurde leider noch chaotischer und in meiner Erinnerung ist jetzt genau gar nichts mehr. Laut Erzählungen ein ständiges Absteigen vom Rad, Aufmunterungen durch die Betreuer und wieder ein zarter Versuch des Radfahrens.

Schlafpause 9 – 1h 45min: Wattens – km 1830 – Sonntag, 04:15 Uhr

Hut ab vor meinen Betreuern, die mich nach Schlafpause 9 und wiederrum keinen Erinnerungen irgendwie wieder aufs Rad brachten. Nach unzähligen Versuchen, gaben mir meine Betreuer noch einen allerletzten Versuch, um wieder zu mir zu kommen. Siehe da – genauso schnell wie der Spuk in Stams begonnen hat, war er nun endlich 9 Stunden später in Jenbach wieder vorbei. Mit einem breiten Grinser und der Sonne im Gesicht ging’s nun endlich ab nachhause. Seit 5 Minuten wieder klar im Kopf, schreckte mich kurz später ein lauter Knall. Der Vorderreifen des Pace-Cars musste dran glauben und als hätten die Betreuer nicht gerade alle Hände voll zu tun, wurden nun auch noch ihre Mechaniker-Qualitäten abgefragt. Nun sollte aber wirklich nicht mehr viel im Wege stehen bis zur Ortstafel von St.Georgen. Bereits ab dem Hochkönig konnte ich auf zahlreiche Anfeuerungen und Besuche von Bekannten zählen. Was dann ab Straß folgte, kompensierte schon fast wieder alle Qualen der letzten 5 Tage. Überglücklich konnten wir nach 5 Tagen 2 Stunden und 53 Minuten die Ziellinie erreichen.

 

DANKE JÜRGEN

DANKE CARO

DANKE PIA

DANKE HARRI

DANKE STALLI

DANKE KLAUSI

DANKE DAVID

DANKE ARNOLD

DANKE ANNABELL

DANKE ANDI